Podcast-Interviews remote aufnehmen: Welche Tools sind gut?

20. September 2026

Die besten Tools für Online-Podcast-Interviews

„Welches ist das beste Tool für Online-Interviews im Podcast?“
„Eignet sich Zoom für remote Podcast-Interviews?“

Diese beiden Fragen höre ich einfach immer und immer wieder.

Einige Podcaster*innen nehmen ihre Online-Interviews tatsächlich einfach über Zoom auf. Andere hingegen nutzen spezifische Plattformen, die speziell für Podcasts und Video-Podcasts gedacht sind.

In diesem Artikel bekommst du einen schnellen Überblick: welche Tools es gibt, wofür sie gut sind und wann ich welches empfehlen würde. Und warum ich nicht unbedingt zu Zoom rate 😉

Update September 2026: Seit ich diesen Artikel im Februar geschrieben habe, hat sich einiges getan. SquadCast wird schrittweise durch Descript Rooms ersetzt, und Zencastr hat seine Tarife und Terms Of Conditions umgestellt. Riverside hat keinen Free-Plan mehr. Und Studio Link hat neue Pläne. Ich habe den Artikel entsprechend aktualisiert.

Zoom

Zoom ist eigentlich ein Video-Konferenz-Tool und dafür auch gemacht und bewährt.
Es ist und war nie für Aufnahmen, die später veröffentlicht werden sollen, gedacht. Was Podcast-Aufzeichnungen angeht, bin ich daher ziemlich zwiegespalten. Bzw. rate davon eher ab.

Einige Podcaster*innen nutzen es seit Jahren und sind zufrieden. Immerhin kennt und benutzt fast jeder Zoom, der Umgang ist bekannt und einfach.

Tatsächlich bearbeite ich manchmal Aufnahmen von Kund*innen, die mit Zoom aufgezeichnet wurden und die vollkommen in Ordnung sind.

Dann bekomme ich aber auch immer wieder das Gegenteil „auf den Tisch“ und verzweifel regelrecht in der Postproduktion an der schlechten Qualität. Und das ist nicht selten der Fall.

Wenn die Internetverbindung bei einem der Sprecher*innen nicht stabil ist oder schwankt, kommt es zu Qualitätseinbußen. Oder, wenn nicht die richtigen Einstellungen vorgenommen wurden, sondern das Tool einfach so wie es in den Grundeinstellungen ist, genutzt wird für Interviews.

Bei Zoom bekommst du die Aufnahme nur in komprimierter Form (m4a). Eine echte Rohdatei wie WAV ist nicht vorgesehen.

Oft bricht auch der Ton weg, wenn einer den anderen unterbricht (das kann schon ein zustimmendes „Aha“ sein). Und weggebrochene Töne bekommst du nicht wieder.

Wenn die Aufnahme schon per se nicht optimal ist (bspw. wegen schlechtem Mikrofon oder ungünstigen Raumbegebenheiten) und dazu auch noch mit sehr niedriger Bitrate abgespeichert wird (was häufig bei schlechter Internet-Verbindung passiert), kannst du sie in der Nachbearbeitung nur noch begrenzt retten. Ein wirklich guter Sound wird daraus jedenfalls nicht mehr.

Das hat unter anderem mit der Bandbreite und den Filtern zu tun, die Zoom standardmäßig über die Stimme legt. Zoom ist darauf optimiert, dass Sprache im Call „irgendwie verständlich“ bleibt, selbst bei schlechtem Netz. Dafür werden Details weggefiltert und der Ton stärker komprimiert. Heißt: Es gehen genau die Frequenzanteile und Feinheiten flöten, die einen Podcast warm und natürlich klingen lassen.

Und was Zoom einmal weggeglättet oder weggeschnitten hat, bekommst du in der Postproduktion nicht mehr zurück.

Deshalb rate ich bei Interviews zu Tools, die dir unkomprimierte Spuren liefern. Diese lassen sich viel besser bearbeiten und optimieren.

👉🏼 Du siehst, Zoom ist nicht das geeignetste Tool für Podcast-Interviews.

Normalerweise rate ich davon ab, Podcast-Interviews mit Zoom aufzunehmen – zumindest wenn man Wert auf gute Tonqualität legt. Und nicht riskieren will, dass bei einer schlechten Internetverbindung Teile nicht richtig aufgezeichnet werden oder der Ton wegbricht.

Wenn du jedoch Zoom nutzen willst oder für den Notfall auf Zoom zurückgreifen musst, dann nimm vor der Aufnahme unbedingt spezielle Einstellungen vor!

Riverside

In meinem Umfeld benutzen die meisten Podcaster*innen Riverside für ihre Remote-Interviews und weitestgehend sind alle zufrieden mit dieser Plattform: Vor allem mit dem Handling und der Aufzeichnungs-Qualität.

Du legst einen Termin an und schickst deinem Gast einfach nur einen Link. Der Gast muss nicht (wie bei Zoom) selber das Programm installiert haben oder angemeldet sein. Er kommt einfach über den Link in dein digitales Studio. Dort könnt ihr euch sehen und hören und die Aufzeichnung starten.

Das Ganze ist ziemlich niedrigschwellig und wenn du einmal weißt, wie du das „Studio“ einrichtest, geht es alles blitzschnell und einfach.

Riverside ist eine Art Online Aufnahmestudio, das unabhängig von der Internetqualität störungsfreie Aufzeichnungen liefert – da es quasi lokal aufnimmt.

Also wenn dein Internet instabil ist bzw. mal wegbricht, nimmt Riverside dennoch deine Spur (und die des Gastes) weiter auf. Das ist bei Zoom nicht der Fall und das kann dir echt den Ar** retten – bzw. das gesamte Interview.

Du bekommst sowohl getrennte und unkomprimierte Audiospuren als auch RAW-Videodateien bis hin zu 4k.

Das Tool kann genutzt werden für Soloaufnahmen und Remote-Interviews sowie für In-Person-Aufzeichnungen im selben Raum mit 2 Mikrofonen oder Hybrid-Aufnahmen (zwei Personen im selben Raum plus weitere Remote Gäste).

Riverside bietet neben den Aufzeichnungs-Möglichkeiten auch Streaming-Funktionen und jede Menge KI-Features für die Bearbeitung und Verbesserung deiner Aufnahmen.

Man kann seine Aufnahme direkt im Editor bearbeiten – unter anderem, in dem man Textpassagen löscht, anstatt im Audio direkt zu schneiden. Und man kann zahlreiche weitere KI-Funktionen nutzen, für die Tonoptimierung, Bildgestaltung oder auch Texte (von Transkripten & Shownotes bis Social-Media-Beiträge) und automatisch generierten Highlight-Clips.

Hinweis: Der Editor mit seinen echt toll klingenden Features funktioniert leider nicht immer reibungslos und sauber. Auch der KI-Output (Magic Clips oder Text-Content) ist nicht immer von bester Qualität.

Ich persönlich arbeite lieber in einem richtigen Schnitt-Tool und anderen Tools an dem Endergebnis. Für saubereren Schnitt und Sound und gute Texte.

Aber für alle, die eine schnelle All-In-One-Lösung brauchen und nicht einen all zu hohen Anspruch an Schnitt und Restverwertung (Texte und Clips) haben, ist der Editor mit seinen wachsenden Features von Riverside eine Option.

Selbst wenn du den Editor und die Bearbeitungs-Funktionen nicht nutzt, ist Riverside dennoch allein für die sauberen und sicheren Aufnahmen eine Überlegung wert.

Also, für alle, die zuverlässige Online-Interviews aufzeichnen wollen, ohne Qualitätseinbußen, ist es ein empfehlenswertes Tool.

Übrigens: Riverside hat auch ein deutsches Interface – im Gegensatz zu SquadCast und Zencastr, die nur eine englische Oberfläche haben. Sitzt allerdings in den USA und beachte bitte die Datenschutz-Hinweise (weiter unten).


Hier gehts zu Riverside.fm*
Leider gibt es keine Free-Version mehr (Stand: September 2026). Du kannst Riverside 14 Tage kostenlos testen, brauchst dafür aber eine Kreditkarte. Wenn du nicht rechtzeitig kündigst, wird am 15. Tag automatisch abgebucht. Pläne ab 24 € / Monat.

Du willst dich ganz schnell in Riverside zurecht finden, ohne jetzt noch ewig viele Tutorials zu suchen und schauen? – Dann hol dir die Schritt-für-Schritt-Anleitung für 0 Euro.

Schreibe mir dafür eine Mail!

Kurze Anmerkung noch: Seit Riverside vermehrt seine Entwicklung auf KI legt, hört man immer wieder von Problemen in der Aufnahme.

Man muss aber dazu sagen, dass kein Tool komplett fehlerfrei ist. Bei allen Tools haben User*innen hier und da von Problemen berichtet, die auftauchen können. Dennoch sind die hier genannten Tools in der Regel sehr zuverlässig und „die“ Player auf dem Markt. Und manchmal liegt der Fehler auch nicht an dem Tool, sondern hat etwas mit deinen Einstellungen oder deiner Hardware zu tun.

SquadCast & Descript

💡 Hinweis (Stand: September 2026): Descript hat inzwischen mit Rooms ein eigenes Aufnahmestudio direkt im Descript-Editor gebaut. Rooms soll SquadCast langfristig ersetzen. Laut Descript passiert das aber erst, wenn Rooms alles kann, was SquadCast heute kann, und mit rechtzeitiger Vorankündigung. SquadCast läuft also weiterhin und du kannst es wie beschrieben nutzen.

Rooms ist in deinem Descript-Abo bereits enthalten. Wenn du ohnehin in Descript schneidest, lohnt sich ein Test. Ich selbst habe Rooms noch nicht ausprobiert und aktualisiere diesen Abschnitt, sobald SquadCast tatsächlich abgelöst wird.

SquadCast ist auch ein virtuelles Aufnahmestudio und funktioniert ganz ähnlich wie Riverside. Es ist speziell für Online-Aufnahmen und bietet ebenfalls ein einfaches Guest-Handling sowie getrennte Audio- und Videospuren nach der Aufzeichnung, in hoher Qualität.

Sofern du SquadCast nicht nur für Online-Interview-Aufnahme, sondern auch für den Schnitt und weitere KI-Bearbeitungen nutzen willst, dann kannst du zu Descript switschen, zu dem SquadCast inzwischen gehört.

Descript bietet sehr viele KI-Funktionen, von Tonoptimierung, automatischem Schnitt, Schnitt-nach-Text, Clips mit Captions und vieles weitere. Ähnlich wie Riverside.

Allerdings weist der Editor auch öfter Probleme auf und vor allem mit der deutschen Sprache funktionieren einige KI-Funktionen (wie Füllwörter zuverlässig finden und rausschneiden) nicht immer gut.

SquadCast mit seiner hohen Aufnahme-Qualität in Kombi mit Descript und seinen KI-Features ist dennoch eine gute Alternative zu Riverside.

Noch ein Hinweis: Falls du Rooms testest: WAV-Dateien musst du dort vor der Aufnahme in den Audio-Einstellungen aktiv einschalten („Generate lossless audio files“). Das funktioniert nur in Chrome, Edge oder Arc.


Hier gehts zu SquadCast* und hier zu Descript*
Free-Version mit eingeschränkten Funktionen (1 Std Aufzeichnung oder Upload / Monat) und Pläne ab 16 $ / Monat. Der Preis beinhaltet beide Tools.

Zencastr

Auch Zencastr ist ein browserbasiertes Recording-Tool für Remote-Interviews. Ebenso wie bei Riverside und SquadCast bekommst du getrennte Spuren pro Person in hoher (Roh-) Qualität und kannst die Dateien für die Postproduktion sauber runterladen.

Auch KI-Funktionen, automatische Clips, Text-Editing und vielen weiteren Features sind vorhanden, ähnlich wie bei den beiden anderen Plattformen.

Zencastr ist ein Pionier, was Remote-Aufnahmen angeht und ist nach einer etwas angestaubten Phase mit vielen Problemen wieder zurück mit neuem System, KI-Funktionen und angeblich zuverlässigen Aufzeichnungen mit sauberen, hochwertigen Aufnahmen. (Ich hab persönlich keine Erfahrungswerte, da weder ich, noch meine Kund*innen das Tool nutzen.)

Das Tool ist also ganz ähnlich in seinen Funktionen wie Riverside und SquadCast.

Zencastr wirbt mit seinem großzügigen Free-Plan.

weißer Text auf lila Hintergund: Introducing the next generation of Zencastr. So much more, all for free.

‼️ Achtung beim Free-Plan (Stand: September 2026): Zencastr hat im Sommer 2026 sein Angebot komplett umgebaut. Der kostenlose Plan ist seeeehr großzügig, gefühlt liegen dir alle Optionen for free zur Verfügung, selbst unlimited Video-Aufzeichnungen und KI-Features.

Aber das hat einen (anderen) Preis: Laut den aktuellen Nutzungsbedingungen räumst du Zencastr weitreichende Rechte an deinen Aufnahmen ein. Dazu gehört auch das Recht, sie zu monetarisieren, weiterzugeben und damit KI-Modelle zu trainieren. Und zwar auch die Stimmen und Inhalte deiner Gäste, für deren Einverständnis du geradestehen musst. Das bleibt auch dann bestehen, wenn du deine Aufnahmen später löschst.

Für Interviews mit Gästen würde ich den Free-Plan deshalb nicht empfehlen. Lies dir die Nutzungsbedingungen vorher genau durch und entscheide bewusst.

Ich hab mit der KI Claude die Terms Of Conditions und Private Policy durchgecheckt und Claude sagt:


„Für Interviews mit Gästen ist Zencastr aus Datenschutzsicht nach meiner Einschätzung kaum sauber nutzbar.“


Hier gehts zu Zencastr*
Free-Version mit krass vielen Funktionen, aber achte auf meine Anmerkungen zu deinen Daten!

Worauf du achten solltest bei Web-Recording (Riverside, SquadCast und Zencastr):

  • Browser-Setups sind anfällig, wenn Leute mit „exotischen“ Browsern, blockierenden Plugins bzw. Browser-Erweiterungen oder sehr alten Geräten reinkommen. Oft funktionieren nur spezielle Browser wie Chrome oder Edge.

  • Bei Nutzung eines VPN oder durch bestimmte Programme kann es zu technischen Problemen kommen. Stelle sie am besten während der Aufnahme aus.

  • Trotz lokaler Aufzeichnung: Stelle sicher, dass sowohl du, als auch dein Gast gute Internetverbindung habt. Nutzt wenn es geht ein LAN-Kabel.

  • Nach der Aufnahme musst du sicherstellen, dass alle Spuren vollständig hochgeladen sind, bevor jemand den Tab schließt (gilt bei solchen Tools generell). Allerdings sind die Aufnahmen auch nicht weg, wenn bspw. der Gast eher rausgeht. Du musst ihn später nur bitten, erneut das Tool zu öffnen für den restlichen Upload.

  • Die Editoren versprechen viel, es gibt super viele KI-Features, aber oft ist die Qualität der „schnellen“ KI-Bearbeitung nicht immer die beste. Du kannst die KI personalisieren, damit der Output besser wird. Würde ich unbedingt machen, wenn du damit arbeitest!

Und nun kommen wir zu einem weiteren Remote-Recording-Tool, das etwas anders funktioniert als die zuvor genannten und das auch besser als Zoom ist:

Studio Link ist im deutschsprachigen Raum ein Klassiker für Remote-Aufnahmen. Es ist kein Video-Tool, sondern auf hochwertige Audioverbindungen ausgelegt. Es ist also geeignet, wenn du deine Remote-Interviews ohne Video führen willst oder ohne Video-Aufzeichnung.

(Wenn du nur das Video zum Zweck und nicht für die Ausstrahlung nutzen willst, dann kannst du Videos auch parallel über ein anderes Tool wie Jitsi oder Zoom laufen lassen.)

Du kannst Studio Link als Standalone nutzen oder als Plug-in in deiner DAW (z. B. Reaper/Ultraschall).

Für Gäste ist oft ein kleiner Installationsschritt nötig (je nach Variante). Es gibt aber auch die „einfach-nur-den-Link-klicken“-Funktion (in Studio Link „QuickWeb“ bezeichnet).

Das Tool ist sehr fokussiert und nicht überladen.

Wer den ganzen KI-Schnickschnack und Videoaufzeichnung nicht braucht und sich technisch etwas reinfuchsen will, für den ist dieses günstige Tool vielleicht das Richtige.

Wann Studio Link sinnvoll ist

  • Wenn du Audio only machst und ein schlankes, bewährtes Setup willst.
  • Wenn du nicht so viel Budget hast, aber dennoch gute Qualität wünschst.
  • Wenn du mit Reaper/Ultraschall arbeitest und gerne direkt im Projekt aufzeichnest.

Studio Link lebt davon, dass dein Recording-Workflow sauber ist (Routing, Spur-Setup, Monitoring). Dazu ist es eine sehr günstige Variante. Aber eben mit einigen Abstrichen.

Wenn du es „einfach“ von der Einrichtung und Benutzung haben willst und Videoaufzeichnungen brauchst, ist ein „All-in-one“-Tool wie Riverside oft einfacher.

Wenn du Studio Link (und somit ein deutsches kostengünstiges Tool) magst: nutz es für Audio. Video kannst du nebenbei mit einem anderen Tool nutzen, damit ihr euch seht – aber nicht zum Veröffentlichen.

Kleiner Hinweis: Aktuell arbeitet der Entwickler an einer neuen Version – die vermutlich auch Video mit einbezieht.


Hier gehts zu Studio Link*
Free-Version mit eingeschränkten Funktionen und Pläne zwischen 1-10 Euro/Monat.

Eigenschaften der verschiedenen Tools

In dieser Tabelle sind noch einmal ein paar Kriterien und KI-Funktionen im Vergleich zur Übersicht aufgezeigt.

Klick auf´s Bild, dann wird es größer 🙂

Und im Notfall? Telefonieren!

Wenn du akut Probleme hast mit dem Internet und dein Interview nicht verschieben oder abbrechen willst: Dann kannst du zur Not auch aufs gute alte Telefon zurückgreifen. Ja, genau, t-e-l-e-f-o-n-i-e-r-e-n! Weißt du noch, wie das geht? 😉

Ihr führt euer Gespräch dann am Telefon und nehmt beide (sowohl du auf deinem Gerät, als auch dein Gast, auf seinem Gerät) eure eigene Spur lokal auf. Klatscht am besten zu Beginn 3x in die Hände, damit man später die Spuren besser synchronisieren kann.

Nach dem Telefonat speichert ihr die Aufnahme ab und ladet sie in eine Cloud – oder der Gast schickt sie dir.

Du kannst sie dann in deiner DAW / deinem Schnittprogramm zusammenfügen und bearbeiten.

Gute Qualität im Online Interview

Das beste Tool kann nur die Qualität sichern, die du reingibst. Oder die die Begebenheiten bieten. Bedenke daher bei der Aufnahme (neben guter inhaltlicher Vorbereitung), folgende Punkte:

(Das gilt für alle Gesprächspartner*innen, also für dich und deinen Gast)

  • Nutzt ein gutes Mikrofon (wenn der Gast keins hat, schicke ihm eins!)
  • Nutzt unbedingt Kopfhörer (kabelgebunden, kein Bluetooth!), sonst wird die Stimme des anderen aufgenommen
  • Bei Video: Nutze eine vernünftige Kamera (gute Webcams oder iphone-Kameras reichen oft) und nehmt in hoher Qualität auf (mindestens HD)
  • Stelle Echo-Cancellation und Voreinstellungen wie Noise Reduction in den Tools aus
  • Nehmt in einem hallarmen Raum auf ohne Störgeräusche
  • Achtet auf eine stabile Internet-Verbindung (am besten mit LAN-Kabel statt WLAN!)
  • Macht eine Test-Aufnahme
  • Bearbeite den Sound (Hintergrundrauschen, Störgeräusche, Stimmfarbe, etc) in der Postproduktion und schneide Fehler raus

Und mache am besten auch immer eine BackUp-Aufnahme mit einem anderen Gerät oder Tool zusätzlich.

Better Safe than Sorry!

Bevor du dich entscheidest, muss ich aber ein wichtiges Thema hier noch erwähnen. Das sollte dir bewusst sein und in deine Entscheidung mit einbezogen werden.

Datenschutz: Was passiert mit deinen Aufnahmen?

Stand: September 2026. Keine Rechtsberatung, sondern meine Einschätzung nach Sichtung und Durcharbeiten der Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärungen.

Riverside, Descript, SquadCast und Zencastr sitzen alle in den USA, genau wie Zoom. Deine Aufnahmen und die Daten deiner Gäste werden also (auch) auf Servern außerhalb der EU verarbeitet, wo nicht automatisch dasselbe Datenschutzniveau gilt wie bei uns. Bei drei von ihnen steht ausdrücklich in den Bedingungen, dass Aufnahmen für die Weiterentwicklung der eigenen KI genutzt werden können. Das betrifft nicht nur deine Stimme, sondern auch die deiner Gäste.

Ich finde es extrem wichtig, das zu benennen. In meiner Bubble habe ich noch nie gehört, dass jemand davor warnt oder sich groß Gedanken darüber macht. Mit Pech machst du dich aber angreifbar, wenn du deine Gäste nicht darüber informierst, wo ihre Daten landen und was der Anbieter damit machen darf. Denn für die Aufnahme bist du verantwortlich, nicht das Tool. Datenschutzverstöße können Bußgelder, Schadensersatzforderungen oder Abmahnungen nach sich ziehen. Und selbst wenn es nie so weit kommt: Stell dir vor, dein Gast erfährt erst hinterher, dass mit seiner Stimme eine KI trainiert wird.

Riverside: Aufnahmen und Transkripte können zum Training der eigenen KI genutzt werden. Widersprechen können nur Business-Kund*innen per schriftlicher Vereinbarung. Dafür ist Riverside beim Datenschutz insgesamt solide aufgestellt, mit Auftragsverarbeitungsvertrag und EU-Vertreter.

Descript (und Rooms): Hier kannst du das Training abschalten. Deaktiviere in deinem Profil die Einstellung „Share data with Descript“, am besten, bevor du die erste Aufnahme machst. Allerdings fehlen dort ein öffentlich einsehbarer Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) und klare Angaben dazu, wie die Datenübertragung in die USA abgesichert ist.

SquadCast: KI-Training wird in den Bedingungen nicht erwähnt, und SquadCast darf deine Aufnahmen nur für den Betrieb des Dienstes nutzen. Allerdings stammen die Dokumente von 2023 und sind rechtlich nicht mehr auf aktuellem Stand. Und sobald du die Aufnahmen in Descript schneidest, gelten dort die Descript-Regeln, also: Schalter ausschalten.

Zencastr: Hier geht es deutlich weiter als bei allen anderen. Laut Nutzungsbedingungen (vom Juli 2026) räumst du Zencastr eine weltweite, übertragbare Lizenz an deinen Aufnahmen ein: Zencastr darf sie vermarkten, an Dritte weitergeben und für KI-Training nutzen. Widersprechen kannst du nicht.

Das betrifft auch die Stimmen deiner Gäste, und du versicherst, dass alle zugestimmt haben. Beschwert sich später jemand, haftest du. Selbst nach dem Löschen bleiben die Rechte bestehen. Einen Auftragsverarbeitungsvertrag gibt es nicht. Der großzügige Free-Plan hat also einen Preis: Du bezahlst mit deinen Daten und denen deiner Gäste. Für Interviews würde ich Zencastr nicht nutzen.

Zoom: Ausgerechnet hier sieht es beim Datenschutz am besten aus. Zoom schließt in seinen Bedingungen ausdrücklich aus, Audio, Video oder Chats zum Training eigener oder fremder KI-Modelle zu nutzen. Dazu kommen ein Auftragsverarbeitungsvertrag für geschäftliche Konten, ein EU-Vertreter und die Zertifizierung nach dem EU-US-Datenschutzrahmen. Das Problem bei Zoom ist also nicht unbedingt der Datenschutz, aber weiterhin die Tonqualität.

-> Was heißt das für dich?
Für die Aufnahme bist du datenschutzrechtlich verantwortlich, nicht das Tool. Konkret heißt das:

1. Schließ einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) ab. Wenn ein Tool deine Aufnahmen speichert oder verarbeitet, brauchst du mit dem Anbieter einen AVV. Bei den meisten ist er Teil der Nutzungsbedingungen oder lässt sich im Account abschließen. Speichere dir eine Kopie ab. Findest du keinen AVV, ist das ein Warnsignal.

2. Nimm das Tool in deine Datenschutzerklärung auf. Nenne den Anbieter, wofür du ihn nutzt und dass Daten (auch) in den USA verarbeitet werden.

3. Informiere deine Gäste und hol dir ihre Einwilligung. Sag ihnen vor der Aufnahme, mit welchem Tool du aufnimmst und ob der Anbieter die Aufnahmen für seine KI nutzen darf, und verweise auf deine Datenschutzerklärung. Die Einwilligung holst du dir am besten schriftlich, zusammen mit deiner Einverständniserklärung zur Aufnahme und Veröffentlichung. So kannst du sie im Zweifel nachweisen. Wichtig: Die KI-Nutzung durch den Anbieter deckt ein AVV nicht ab, weil der Anbieter dabei eigene Zwecke verfolgt.

4. Sichere deine Rohdateien sofort lokal. Keiner der Anbieter haftet, wenn Aufnahmen verloren gehen.

Hinweis: Das ersetzt keine Rechtsberatung. Wenn du unsicher bist, lass deine Einverständniserklärung und deine Datenschutzhinweise einmal von einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt prüfen.

Studio-Link: Die datensparsamste Lösung. Studio Link kommt aus Deutschland, nutzt deutsche Server und hat keine KI-Funktionen. Die Aufnahmen entstehen lokal auf deinem Rechner und dem deines Gastes und landen nicht auf einer Plattform. An Studio Link gehen laut Datenschutzerklärung nur technische Verbindungsdaten, die nach sieben Tagen gelöscht werden. Nur wenn ein Gast außerhalb der EU sitzt, läuft die Verbindung über einen US-Dienstleister, der dabei aber nur Verbindungsdaten zu sehen bekommt.

👉🏼 Falls du mehr wissen willst zu dem Thema: Alle Details zu den Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärungen der einzelnen Tools, inklusive Vergleichstabelle, findest du in meinem Beitrag KI-Training mit deiner Stimme? 6 Podcast-Tools im Datenschutz-Check.

Collage mit Symbolen für Datenschutz und Podcast-Tools

Hier geht´s zum Beitrag

FAZIT: Wann welches Tool für Remote Interviews?

Wenn Tonqualität und eine saubere Postproduktion Priorität haben, sind Riverside, SquadCast (bzw. künftig Descript Rooms) und Zencastr die sichereren Tools als Zoom, weil alle lokal aufnehmen und getrennte Spuren liefern.

Bei Riverside ist der klare Vorteil die Kombination aus hoher Videoqualität (bis 4K), deutscher Oberfläche und einem Rundum-Workflow für Audio und Video. Beim Datenschutz ist Riverside solide aufgestellt, nutzt deine Aufnahmen aber für das Training der eigenen KI, ohne dass du als normale Kundin widersprechen kannst.

SquadCast wird besonders interessant, wenn du danach sowieso in Descript weiterarbeitest, weil Recording und KI-Editing dann sauber zusammenpassen. Behalte im Blick, dass Descript SquadCast langfristig durch Rooms ersetzen will. Und schalte in Descript die Datenfreigabe für das KI-Training aus.

Zencastr bietet technisch viel, auch im kostenlosen Plan. Die Nutzungsbedingungen gehen mir aber zu weit: Du räumst Zencastr umfassende Rechte an deinen Aufnahmen ein, inklusive Weitergabe und KI-Training. Für Interviews mit Gästen würde ich Zencastr deshalb nicht empfehlen.

Für fast alle dieser US-Tools gibt es eine Test- oder Free-Version mit eingeschränkten Funktionen. Aber: Kostenlos heißt nicht automatisch „sorglos“. Achte auf Speicherfristen, Aufnahme-Einstellungen, Export-Optionen und darauf, dass du deine Rohdateien rechtzeitig sicherst. Und lies, was du dem Anbieter mit deiner Anmeldung erlaubst.

Studio Link ist die schlanke, fokussierte Lösung für Audio-only, vor allem wenn du in Reaper/Ultraschall arbeitest und gern direkt in deiner DAW aufzeichnest. Und wenn du Wert auf Datenschutz legst, denn das Tool kommt im Gegensatz zu allen anderen hier genannten Tools nicht aus den USA, und deine Aufnahmen bleiben bei dir.

Studio Link ist kein Video-Tool und keine All-in-one-Lösung, aber genau das ist für viele ein Vorteil: weniger Schnickschnack und mehr Fokus auf die reine Audio-Aufzeichnung.

Zoom bleibt für mich die Notfall-Lösung. Es ist bequem und wirkt auf den ersten Blick am einfachsten, weil man es kennt und bereits installiert hat. Aber es ist einfach nicht dafür gebaut, Podcast-Audio in gleichbleibend hoher Qualität zu liefern. Also: Problematisch für eine zuverlässig gute Tonaufnahme. Fairerweise muss ich aber auch sagen: Beim Datenschutz ist Zoom von den hier genannten US-Tools am besten aufgestellt und nutzt deine Aufnahmen nicht für KI-Training.

Wenn du Zoom nutzen musst, dann nur mit den richtigen Einstellungen und mit dem Bewusstsein, dass du im Zweifel nicht alles retten kannst. Und am besten mit einer lokalen Back-Up-Aufnahme (jede*r Sprecher*in lokal auf seinem/ihrem Gerät).

Welches Tool für dich am besten ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt darauf an, was du brauchst und was dir wichtig ist: deutsches Menü, hochauflösende Videos, Schnittoptionen, KI-Funktionen, Datenschutz, Datenhoheit.

Probiere die Testversionen oder kostenlosen Varianten aus, um ein Gefühl für Handling, Qualität und Funktionen zu bekommen.

Bedenke bitte auch, dass es bei der Aufzeichnung ein paar (weitere) rechtliche und datenschutzrelevante Dinge gibt, die du beachten solltest. Wenn du mehr darüber erfahren willst, schau auf meinem Blog vorbei – da kommt ganz bald ein Beitrag dazu.

FAQ

Kann ich Podcast-Interviews mit Zoom aufnehmen?

Ja, aber ich rate davon ab, wenn dir gute Tonqualität wichtig ist. Zoom liefert nur komprimierte Dateien, filtert die Stimme stark und ist von der Internetverbindung abhängig. Bricht das Netz ein oder unterbrecht ihr euch, fehlen Tonteile, und die bekommst du in der Postproduktion nicht zurück. Wenn du Zoom nutzen musst, dann nur mit angepassten Einstellungen und am besten mit einer lokalen Backup-Aufnahme.

Welches Tool ist das beste für Remote-Interviews im Podcast?

Das hängt davon ab, was du brauchst. Riverside ist die solide All-in-one-Lösung für Audio und Video mit deutscher Oberfläche. SquadCast passt gut, wenn du ohnehin in Descript schneidest. Studio Link eignet sich für reine Audio-Aufnahmen mit schlankem Setup und ist beim Datenschutz die sparsamste Wahl. Teste am besten die kostenlosen Versionen, bevor du dich festlegst.

Was bedeutet „lokale Aufnahme“ und warum ist das wichtig?

Bei Tools wie Riverside oder SquadCast wird die Spur jeder Person direkt auf ihrem eigenen Gerät aufgezeichnet und danach hochgeladen. Wackelt die Internetverbindung, leidet nur das Gespräch in dem Moment, nicht die Aufnahme. Du bekommst getrennte Spuren in hoher Qualität, die sich in der Postproduktion deutlich besser bearbeiten lassen.

Muss mein Gast etwas installieren?

Bei Riverside und SquadCast nicht. Dein Gast bekommt einen Link und kommt direkt über den Browser ins digitale Studio. Wichtig ist ein gängiger Browser wie Chrome oder Edge ohne blockierende Erweiterungen. Bei Studio Link ist je nach Variante ein kleiner Installationsschritt nötig, es gibt aber auch eine reine Link-Variante.

Was mache ich, wenn während des Interviews das Internet ausfällt?

Bei Tools mit lokaler Aufnahme läuft die Aufzeichnung trotzdem weiter. Wichtig: Nach dem Gespräch müssen alle Spuren vollständig hochgeladen sein, bevor jemand den Tab schließt. Im Notfall könnt ihr auch telefonieren und beide eure eigene Spur lokal aufnehmen. Dreimal klatschen am Anfang hilft später beim Synchronisieren.

Worauf muss ich beim Datenschutz achten, wenn ich Gäste remote aufnehme?

Für die Aufnahme bist du verantwortlich, nicht das Tool. Schließ mit dem Anbieter einen Auftragsverarbeitungsvertrag ab, nenne das Tool in deiner Datenschutzerklärung und informiere deine Gäste vorab, womit du aufnimmst. Ihre Einwilligung holst du dir am besten schriftlich. Achte außerdem darauf, ob der Anbieter Aufnahmen für KI-Training nutzt. Das ist bei einigen Tools der Fall und sollte deinen Gästen bekannt sein.

Was brauchen mein Gast und ich für eine gute Aufnahme?

Ein gutes Mikrofon, kabelgebundene Kopfhörer (kein Bluetooth), einen hallarmen, ruhigen Raum und am besten LAN statt WLAN. Schalte Echo-Cancellation und Rauschunterdrückung im Tool aus und mach vorher eine Testaufnahme. Das beste Tool kann nur die Qualität sichern, die ihr reingebt.


Wenn du noch mehr Tipps zu weiteren Podcast-Tools suchst, dann abonniere meinen Newsletter. Hier bekommst du immer mal wieder Tipps für den Podcast-Alltag und zu bestimmten KI-Tools.

Du willst auch Interviews vor Ort aufnehmen und fragst dich, wie du das am besten machst? Dann schau mal in diesen Artikel rein: Interview vor Ort aufnehmen: Diese Set Ups gibt es


* Affiliate-Link – wenn du über meinen Link das Tool/Produkt kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich. Danke 🙂

S/W-Portraitbild von Sunshine Virtual Assistant - Beraterin für Podcast und YouTube. Sie hat einen weißen Kopfhörer um den Hals gelegt und hält eine Kaffeetasse in der Hand.

Willkommen auf dem Sunshine Blog!

Ich bin Hannah
aka Sunshine VA
und mit meinem Blog möchte ich dir hilfreiche Informationen rund um das Thema Podcasting zur Verfügung stellen.

Viel Spaß beim Lesen!

Du willst einen
Podcast starten und suchst noch Unterstützung und eine motivierende Begleitung? Jemanden, der dir die Technik etwas abnimmt?
Dann schau doch mal hier

⬇️

Sunshine Letter

Lust auf weitere Podcasting Insights? Trag dich in meinen Newsletter ein. Für mehr Tipps und Hacks rund ums Podcasting direkt in dein Postfach. Inklusive
sunny vibes
☀️

Diese Artikel könnten dich auch interessieren

Podcast auf Video-Podcast umstellen bei Podigee

Podcast auf Video-Podcast umstellen bei Podigee

Überlegst du auch gerade, deinen Podcast zu einem Video-Podcast umzustellen? Oder von einem manuellen Vorgang zu dem automatischen Upload zu wechseln? Und fragst dich, wie das geht? Dann bist du hier richtig. In diesem Artikel erhältst du Infos und eine Anleitung, wie...

Interview vor Ort aufnehmen: Diese Set Ups gibt es

Interview vor Ort aufnehmen: Diese Set Ups gibt es

Wie kann ich ein Interview aufnehmen - mit Gast bei mir vor Ort? Du hast einen Podcast und möchtest gern ein Interview mit Gast im selben Raum aufzeichnen?Und fragst dich nun: Wie funktioniert das? Was brauche ich für Equipment? Wie viele Mikrofone? Wo und wie zeichne...

Moin!

Ich bin Hannah, die Sunshine VA.
Ich unterstütze Selbständige, die etwas Gutes in die Welt tragen wollen bei ihrem Podcast
oder Video-Projekt.

Hier auf meinem Blog findest du Informationen rund um den Start, die Vorbereitung, Erstellung, Produktion und Bearbeitung von Podcasts inklusive Tool-Empfehlungen und weiteren Tipps.

Happy Podcasting!

Deine Sunshine VA

Hannah sitzt an einem Baum und lächelt in die Kamera

Sind wir schon vernetzt?